Idee: Fehmarn als “schwalbenfreundlichste Insel”


Karin Neumann mit dem Schwalben-Zertifikat des NABU.

Karin Neumann mit dem Schwalben-Zertifikat des NABU.

Früher galten Schwalben als Boten des Glücks. Man glaubte, sie würden Haus und Scheune vor Feuer und Blitzschlag und das Vieh vor Krankheiten bewahren. Heute gehen die Bestände von zum Beispiel Mehl- und Rauchschwalben stark zurück. Der Grund: Es fehlt an Nistplätzen und an geeignetem Material für den Nestbau. Auf Fehmarn hat jetzt der NABU Haus und Scheune von Karin Neumann in Presen als schwalbenfreundliche Gebäude ausgezeichnet.

Karin Neumann ist Sprecherin der BELTRETTER Bewegung, engagiert sich bei der Initiative Bewahrt Fehmarn! und ist als Vermieterin tätig. Die Auszeichnung hat sie auf eine Idee gebracht, von der die gesamte Insel profitieren könnte.

Karin Neumann: “Wie wäre es, wenn Fehmarn zur schwalbenfreundlichsten Insel würde? Gemeinsam mit dem Tourismus-Service ließe sich eine entsprechende Initiative starten. Fehmarn würde bundesweit mit einem positiv besetztem Thema in Verbindung gebracht werden und könnte sich von anderen Urlaubsorten und -inseln abheben. Dafür bräuchte es nur viele fehmarnsche Höfe, die mitmachen. Und diese Höfe wiederum hätten etwas davon. Vermieter könnten zum Beispiel auf ihrer Webseite mit dem Zertifikat um Touristen werben.”

Mehl- und Rauchschwalben findet immer weniger Nistplätze

Die Mehlschwalbe mit ihrem leuchtend weißen Bürzel und Bauch sowie dem tief gekerbten Schwanz nutzt vor allem rau verputzte Hauswände unter geschützten Dachvorsprüngen zum Bau ihres Nestes. Der Nestbau ruft bei Haus- und Hofeigentümern nicht immer Freude hervor. Sie stören sich am Kot und den Resten des Nistmaterials auf dem Boden stören. Viele Nester werden daher zerstört, dabei würde ein einfaches, einen halben Meter unterhalb der Nester angebrachtes Brett Abhilfe schaffen.

Rauchschwalben sind von ihren Verwandten durch die langen Schwanzspieße und eine braunrote Färbung von Kehle und Stirn gut zu unterscheiden. Früher bauten sie ihre Nester gerne an offenen Kaminen oder Rauchfängen, daher auch ihr Name. Heute bevorzugen Rauchschwalben Balken oder Mauervorsprünge in Ställen, Scheunen oder Carports. Leider bleiben die notwendigen Einflugluken nach Renovierungen zunehmend verschlossen oder sie sind bei Neubauten gar nicht erst vorhanden.


Mangel an Material für Nestbau

Beide Arten leiden zudem unter der Asphaltierung von Feldwegen, die es ihnen immer schwerer macht, in Pfützen den Lehm für den Nestbau zu finden. Durch die zunehmende Hygiene in den Ställen sowie den Pestizideinsatz auf den Feldern geht auch ihre Nahrung – Insekten, Schmetterlinge, Mücken, Eintagsfliegen – zurück. Die Zerstörung von Schilfbeständen vernichtet zudem wichtige Rastplätze der Schwalben.


Mit wenig Aufwand zu einem Zertifikat, mit dem sich werben lässt

Dr. Angelika Wenner-Binding von der Initiative Bewahrt Fehmarn!: “Schwalben machen zwar etwas Schmutz, aber sie gelten als Sympathieträger. Wenn sie hoch fliegen, soll das von gutem Wetter kündigen. Es wäre doch toll, wenn bald viele fehmarnschen Höfe sowie Häuser und damit die ganze Insel als schwalbenfreundlich gelten würden. Wenn sich Fehmarn als schwalbenfreundlichste Insel einen Namen machte, dann wäre das ein Marketingkniff, der gleich mehreren Seiten nützen würde: den Schwalben, den Vermietern, der gesamten Insel und den Urlaubern, die immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit legen.”

Beim NABU kann man sich auf ganz einfache Weise um ein solches Schwalben-Zertifikat bemühen. Vor der Verleihung steht meist eine Inspektion an. Dabei werden die Gebäudebedingungen in Augenschein genommen und die Schwalbennester gezählt. Anschließend lässt sich mit dem Zertifikat werben.

Julia Ehritt von der NABU-Projektstelle “Schwalbenfreundliches Haus”: “Es wäre schön, wenn auf Fehmarn noch viele weitere Schwalbenfreunde gewonnen werden können.”



Weitere Infos zu der NABU-Initiative finden sich unter diesem Kurzlink: http://bewahrt-fehmarn.de/schwalben.

Schwalben auf dem Hof von Karin Neumann.

Schwalben auf dem Hof von Karin Neumann.

Kommentar erstellen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>